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Die Bilder sind sensibel, zeigen nie das Vordergründige. Erst auf dem zweiten Blick wird offensichtlich, was der Lichtbildner sagen will. Stefan Winkelhöfer heißt der freischaffende Bildautor, der sich in der Welt der Fotografie längst einen Namen gemacht hat. 

Winkelhöfer ist einer, der die Nähe sucht, sich nicht hinter der Anonymität seiner Kamera versteckt, keine Distanz aufbaut: Offene Blende und ran an das Motiv. Immer auf Augenhöhe, selten von oben herab und immer ohne Blitz. „Künstliches Licht zerstört Atmosphäre“, sagt er, „Natürlichkeit verlangt nach natürlichem Licht.“

Der Fotografie folgt er seit fast 20 Jahren, versucht den roten Faden der Vergänglichkeit mit seinen Bildern auszudrücken. Der Mensch und sein Biotop, scheinbar unwichtige Wahrnehmung am Straßenrand, Treppen die ins Nichts führen oder der ungeschminkte Blick auf eine Großstadt sind seine Motive – mal in Farbe, oft in kontrastreich gezeichnetem Schwarz-Weiß.

Stefan Winkelhöfer ist ein Gefühlsmensch, geplant sind seine Fotografien nicht. „Das entwickelt sich, kommt als Zufall und setzt sich fest.“ Seine Bilder entstehen aus Stimmungen heraus, füllen Nischen, etwa wenn er die menschenleere Atmosphäre einer Kaserne in seinem Buch „Der letzte Zapfenstreich“ in Szene setzt und den Zustand zwischen Stillstand und Neuanfang beschreibt. Es sind Gefühlswelten, in die seine Bilder einladen. „Erst wenn das Bild Emotionen bei mir und dem Betrachter auslöst, bin ich zufrieden“, sagt er

Einzelaufnahmen sind dabei eher selten, immer ist es eine Serie, die als Geschmacksträger dient. „Sie müssen eine Geschichte erzählen können.“ Dass er sich beim Zeichnen mit Licht, wie er seine visuellen Kompositionen nennt, stets als Beobachter sieht, sei ihm wichtig bei seinen Blicken in die Zeit. Eine Kamera mit einem lichtstarken Objektiv, mehr ist nicht notwendig. Viel wichtiger ist das Motiv. Und dabei entstehen Freundschaften.

Ralf Strasser [Mittelbayerische Zeitung 04/2015]