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herrW [kulturfotograf]
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der adler

Der Adler

Der steinerne Adler auf dieser Fotografie wurde in den 1930er-Jahren von dem Münchner Bildhauer Albert Allmann als Hoheitsadler für die nationalsozialistische „Adolf-Hitler-Brücke“ in Regensburg geschaffen. Die Brücke wurde 1938 unter diesem Namen eingeweiht; der Adler selbst war damals noch nicht fertig. Erst 1939 vollendet, wurde er 1940 auf der Brücke aufgestellt. Im letzten Kriegsjahr wurde die Brücke von der Wehrmacht gesprengt – der Adler blieb ausgelagert erhalten.

1950 kehrte er auf die nunmehrige Nibelungenbrücke zurück – seiner nationalsozialistischen Symbolik beraubt und als Bundesadler. Das Hakenkreuz war entfernt, die Vergangenheit des Bildwerks jedoch nicht. So wurde aus einem Hoheitszeichen des NS-Regimes ein Symbol der jungen Bundesrepublik: ein steinerner Zeuge der politischen und gesellschaftlichen Kontinuitäten der Nachkriegszeit.

2001 wurde der Adler im Zuge des Neubaus der Nibelungenbrücke abmontiert. Danach verschwand er für 25 Jahre im städtischen Bauhof – verwahrt, aber weitgehend dem öffentlichen Blick entzogen. Erst 2026 wurde er umgesetzt und steht nun vor dem Historischen Museum am Dachauplatz.

Meine Aufnahme entstand 2017 mit Genehmigung der Stadt Regensburg im analogen Großformat. Sie zeigt einen Gegenstand, der zwischen Verdrängung, Umdeutung und Erinnerung steht. Heute kann dieser Adler als Mahnmal gelesen werden: nicht weil seine ursprüngliche Bedeutung aufgehoben wäre, sondern gerade weil sich an ihm ablesen lässt, wie politische Symbole ihre Funktion verändern können, während ihre Geschichte im Material fortbesteht.

Eine zweite Aufnahme im analogen Großformat 4 × 5 inch entstand 2026 beim Abtransport des Adlers. Sie befindet sich noch in der Nachbearbeitung.

Die Bilder begleiten damit auch die Ausstellung Tanzen und Taumeln. Regensburg in den 1950er-Jahren: eine Zeit des Wiederaufbaus und gesellschaftlichen Aufbruchs, aber ebenso eine Zeit, in der die Auseinandersetzung mit der nationalsozialistischen Vergangenheit vielfach von Überformung, Weiterverwendung und Verdrängung geprägt war.

https://www.regensburg.de/museen/aktuelles/tanzen-und-taumeln

© Stefan Winkelhöfer - herrw [kulturfotograf]